Literatur-Agentur

Karin Welters

Die Edition Bärenklau begrüßt Wolfgang Winning im Autorenteam. Herr Winning, die meisten Westernleser kennen Ihr Pseudonym Luke Sinclair. Aber bevor wir darauf eingehen, erzählen Sie uns doch bitte erst einmal etwas über sich:


Wie kamen Sie zum Schreiben? Soviel ich weiß, sind es hauptsächlich Western gewesen, die Sie geschrieben haben? Wie war Ihre persönliche Beziehung zu diesem Genre?

Nun, das ist nicht mit zwei Worten erklärt. Bereits als ich noch zur Schule ging, habe ich mit dem Schreiben naiver Geschichten begonnen, die natürlich nie veröffentlicht wurden, einfach nur, weil ich den Drang verspürte, Geschichten zu erfinden. Konkret wurde das erst später. Ich bin in Halle/Saale geboren, das heißt also, in der damaligen DDR. Schon zu dieser Zeit hieß für mich die einzige Perspektive: go west, young man, go west! Erst als es mir gelungen war, meine Heimat in jene Richtung zu verlassen und ich mich im Westen in mein neues Leben eingerichtet hatte, erkannte ich die Möglichkeiten, die das Schreiben mir in der neuen geistigen Freiheit ermöglichte. Und noch etwas erkannte ich: Um erfolgreich schreiben zu können muss man gewisse Regeln erlernen, wie bei jeder anderen Tätigkeit auch. So absolvierte ich ein zweijähriges Fernstudium bei der Studiengemeinschaft Kamprath in Darmstadt, um mir das handwerkliche Rüstzeug dafür anzueignen.

Es waren zunächst ausschließlich Western unter dem Pseudonym Luke Sinclair. Die Eroberung und Besiedlung eines Kontinents -- diese gewaltige Epoche, die nirgendwo in der Welt ihresgleichen hatte, faszinierte mich schon immer. Beim Schreiben konnte ich in meiner Fantasie Dinge erleben, die im realen Leben unserer Zeit nicht möglich sind, so, als wäre ich direkt dabei. Natürlich musste ich mich vorher über dieses Land im Westen Amerikas eingehend informieren, über das Leben seiner Ureinwohner sowie der Eroberer und über die historischen Abläufe, und ich glaube, dass ich dadurch von Jahr zu Jahr besser wurde. In diesem Zuge kam ich zu meinem Hobby Vorderladerschießen und darüber schließlich zum Westernhobby, wo ich alles das, was mich faszinierte, praktisch nachleben konnte.
 
Wann und wo haben Sie Ihren ersten Roman veröffentlicht?

Das war, glaube ich -- so genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern -- 1962 oder 63 beim Zauberkreis Verlag in Rastatt unter dem Titel "Mike Spencers letzter Trail". Aber wie ich schon erwähnte, nachher wurde ich immer besser.
 
Wieviel Romane haben Sie insgesamt geschrieben, und wo sind diese im Lauf der Jahre erschienen?

Auch das kann ich nicht so genau beziffern, da einiges davon schon in meiner Erinnerung verschollen ist. So zwischen 60 und 70 waren es wohl. Die meisten davon erschienen im Kelter Verlag, Hamburg und im Bastei Verlag.
 
Wie würden Sie Ihren Arbeitstag beschreiben, als Sie noch aktiv Romane geschrieben haben? Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Ich habe immer nur nebenberuflich geschrieben, denn davon zu leben -- das wusste schon Ernest Hemingway zu sagen -- ist eine noch viel größere Kunst, als das Schreiben selbst. Zu der Zeit schrieb ich meistens an den Wochenenden oder auch nach Feierabend.
 
Welche Themen waren für Sie am wichtigsten? Hatten Sie irgendwelche literarischen Vorbilder aus den USA?

Nun, der so genannte "Wilde Westen" hat eine ziemliche Vielfalt an Themen aufzuweisen. Am wichtigsten aber war es mir, von den Schicksalen der Menschen zu erzählen, die sich vor der Kulisse dieses Landes und seiner ereignisreichen Entwicklung abspielten. Gern gelesen habe ich in der Zeit Autoren wie Louis L'Amour und Gordon D. Shirreffs.
 
Wie war der Kontakt zu den Verlagen? Hatten Sie freie Hand, was die Auswahl der Themen betraf?

Über den Kontakt zu Verlagen konnte ich mich nicht beklagen. Ich hatte nie Vorgaben und habe stets das geschrieben, was ich wollte und was mich bewegte. Natürlich muss man als Autor von Heftromanen gewisse Klischees bedienen und sich daran orientieren, was die Leser erwarten. Aber ich habe stets versucht, auf dem Teppich zu bleiben, wie man so sagt. Szenen, in denen jemand den Bruchteil einer Sekunde die Waffe schneller zieht und seinem Gegner den Revolver aus der Hand schießt, habe ich weitgehend vermieden.
 
In den letzten 20 Jahren hat sich der Markt deutlich verändert, und die Westernleser von früher sind ebenfalls älter geworden. Sehen Sie Veränderungen in diesem Genre bzw. haben Sie diese selbst noch miterlebt?

Die Veränderung, die ich gespürt habe, kam so um 1998. Damals überraschte mich das Aus für Heftromane ziemlich plötzlich, obwohl diese Entwicklung abzusehen war. Das Interesse an diesen Romanen wurde immer weniger. Nicht zuletzt durch die rasante Entwicklung im Bereich elektronischer Massenmedien. Und das hält bis heute unvermindert an. Die E-Book Serien, in denen heute noch Western erscheinen, führen meiner Meinung nach nur ein Schattendasein im Vergleich zu dem, was es früher einmal war. 
 
Nun erscheinen ausgewählte Romane von Ihnen als eBook-Edition. Was würden Sie einer neuen Generation sagen, waum es es sich lohnt, Ihre Romane zu lesen?

Das müsste eigentlich jeder Leser für sich selbst herausfinden. Ich persönlich bin der Meinung: Lesen beflügelt die Fantasie, besser als ein Film, bei dem der Betrachter alles vorgesetzt bekommt und die eigene Vorstellungskraft nicht mehr gefragt ist.  Und wer sich für Westerngeschichten interessiert, ist beim Lesen meiner Romane gut aufgehoben, denke ich.
 
Gibt es noch Pläne für neue Romane oder Projekte?
 
Alles im Leben hat seine Zeit, und diese vergeht nun mal, so melancholisch das auch klingen mag. Die Zeit von Luke Sinclair ist für mich vorbei und gehört der Vergangenheit an -- genauso wie der "Wilde Westen".
Das, was ich in den letzten Jahren geschrieben habe, habe ich bewusst unter meinem Namen Wolf G. Winning veröffentlicht, um eine Grenze zu ziehen. Heute schreibe ich ohne Klischees und nur an der Realität orientiert. Außerdem möchte ich mich nicht in die oft zitierte Schublade stecken lassen und schreibe auch Romane, die nichts mit Wildwest oder Indianern zu tun haben. Und das ist eben nicht mehr Luke Sinclair.
Wenn Sie nach Plänen fragen: In meinem Alter plant man nicht mehr so weit voraus. Zurzeit ist es so, dass ich bei jedem Roman, an dem ich arbeite, glaube, es sei nun wirklich der letzte. Aber wer kann schon in die Zukunft sehen? Am besten, die Leser schauen mal bei Amazon herein, um sich zu informieren.


Wenn Sie jetzt und hier noch etwas sagen möchten, dann wäre dies der Platz dafür. Ansonsten bedanken wir uns für das Interview und die Zeit.
 
Was ich zum Schluss noch sagen möchte: Hört nicht auf zu lesen, denn was wäre unser Leben ohne unsere Fantasie und unsere Träume, die uns in Welten hinein tragen, zu denen wir sonst niemals Zutritt hätten.
 
Vielen Dank für das Interesse.

Wolfgang Winning, c, 2017 by Edition Bärenklau und Autor.