Die Literaturagentur

Der Künstler Michael Hutter im Interview

 

 

 

 

 

Michael Hutter wurde am 26.12.1963 in Dormagen geboren – 1970 folgte mit den Eltern der Umzug nach Köln. Dort besuchte er die Katholische Grundschule, später folgte das Gymnasium bis 1983.

 

 

 

Es folgen ein paar Semester freie Malerei in Köln, sowie eine ausgeprägte Spanienrundreise um, damit der Künstler Boschs „Versuchung des Heiligen Antonius“ endlich im Original bewundern konnte.

 

Heute lebt und lebt und arbeitet Michael Hutter mit Frau und Kind als freischaffender Künstler in Köln.
Neben der Malerei zeichnet er auch im Medium Comic und schreibt kleinere phantastische Geschichten, die er natürlich auch selbst illustriert.

 

 

 

F- Wie eben schon in dem Einsspieler erwähnt, hat Dich der Hieronymus Bosch unglaublich beeindruckt. Obwohl Du mir ja erzählt hast, dass deine Jugend unglaublich langweilig war, gib uns noch ein, zwei weitere frühe Seeleneinblicke zum jungen Michael Hutter.

 

 

 

A- Ich glaube das erste Bild, welches mich wirklich sehr tief bewegt hat ist "Die

 

Versuchung des Heiligen Antonius" von Hieronymus Bosch gewesen. Ich hab’s

 

beim blättern in einer Zeitschrift im Wartezimmer einer Arztpraxis gesehen

 

und kann’s zeitlich nicht genau verorten und überhaupt nicht sagen wie alt

 

ich damals gewesen bin. Es muss aber während meiner Grundschulzeit gewesen

 

sein. Überhaupt - die Grundschule..., ich war das einzige konfessionslose

 

Kind auf einer Katholischen Schule, habe also früh erfahren was es heißt ein

 

kompletter Außenseiter zu sein. Gleichzeitig haben die Schilderungen von

 

Hölle und Jüngstem Gericht, mit welchen unser „halbwahnsinniger“ Rektor

 

uns das Fürchten (und Glauben) lehren wollte, mich tief beeindruckt.

 

Wahrscheinlich weit mehr als meine katholisch ja schon vorgeimpften

 

Mitschüler. Bis heute ist die Bibel und mein sehr ambivalentes Verhältnis

 

zur Religion eine meiner Hauptinspirationsquellen geblieben.

 

 

 

Musikalisch gibt es, durch meine Eltern, ebenfalls zwei Pole. Mein Vater

 

liebte Rockmusik, durch ihn habe ich die Beatles, die Stones und The Who

 

kennen- und dann auch lieben gelernt. Für meine Mutter hörte die Musik spätestens bei Mozart auf.

 

Und sie hat mir den anderen Pol, eben die Klassik nahegebracht. Insbesondere Bachs große Passionen… (ja, wieder Religion!) gehören bis heute zu meinen absoluten Favoriten.

 

Später, als Jugendlicher habe ich dann den Heavy Metal kennen gelernt, den ich bis

 

heute schätze, grade die extremen Formen. Ich höre immer (!!!) Musik beim

 

arbeiten, könnte ohne wahrscheinlich gar nicht malen.

 

Ist das erschöpfend genug von einer Jugend die nicht mehr und nicht weniger zu bieten hatte, wie die Jugend vieler anderer Kinder unserer Generation? (Lacht!)

 

 

 

 

 

F- Du sprichst von deiner Zeit des Studiums nicht besonders begeistert, auch wenn ich diese Sätze hier nicht extra anführe, aber ein kleiner erhellender Kommentar zur Studienzeit.

 

 

 

A- Ich möchte das Thema „Studium“ nicht zu hoch hängen, das soll keine Abrechnung mit Hochschulen oder Akademien werden.

 

Ich dachte halt man müsse das machen und fühlte mich ohne wirkliches inneres Interesse gedrängt mich an einer Hochschule zu bewerben, wusste aber dann nicht so recht was ich da eigentlich wirklich soll. Immerhin, ich habe viel Aktzeichnen gemacht und das hat sich zweifellos gelohnt.

 

 

 

F- Wir haben jetzt über einige eher private Dinge aus deinem derzeitigen Lebens- und Wirkensumfeld geredet. Ein „Halbsatz“ fällt mir dabei besonders ins Ohr.

 

Was meinst du damit, wenn Du von der IDIOTISCHEN BELANGLOSIGKEIT DER WELT sprichst, gerade aus deinem persönlichen Umfeld, deinem Alltag?

 

 

 

A – Ja, im Zusammenhang mit meinem freischaffenden Arbeiten und wirken, erscheint diese Aussage widersprüchlich zu sein. Aber Widersprüchlich ist wohl unsere ganze Existenz, ebenso wie die Welt in der wir hineingeboren wurden und in die wir leben. Wir sind das Produkt einer aggressiven Evolution in der sich Leben vom Leben nährt.

 

Dennoch sehnen wir uns zurück in ein Paradies welches es nur in unserer

 

Phantasie gegeben hat (ich denke diese großartige Phantasie ist es, durch

 

die wir uns von den meisten anderen Lebewesen und überhaupt von den Tieren unterscheiden), aber immer, wenn wir versuchen ein Paradies (so wie wir es uns jeweils vorstellen) „herbei zu erzwingen“ schaffen wir treffsicher einfach eine neue Hölle.

 

Egal wie und was wir anstellen, es ist diese idiotische Belanglosigkeit die uns immer noch einen Platz in dieser Welt einräumt!

 

 

 

F – Ein paar Worte zu Deiner Arbeit als Maler.

 

Wie muss man sich den Entstehungsprozess vorstellen?

 

 

 

 

 

A - Am Anfang steht eine Bildidee. Ich sehe das Ding quasi fertig vor mir

 

und glaube dass sich das materialisieren sollte..., es muss mich

 

faszinieren, mich ablenken von der bereits skizzierten „idiotischen Belanglosigkeit…“ aber nicht nur der Welt, sondern auch von der Belanglosigkeit meiner

 

inneren Leere.

 

Dennoch, dann quäle ich mich mit der Frage rum ob das wirklich gut ist, oder ob ich nicht lieber meine wertvolle Lebenszeit (die Uhr tickt ständig, nie weiß man ob das nicht das letzte Bild ist, das man malen wird. Und wenn du wüsstest, dass du nur noch ein Bild malen wirst, welches wird es dann sein???)

 

in ein anderes Projekt investieren soll, jede Entscheidung für etwas ist auch eine Entscheidung gegen etwas, umso aufwendiger und zeitraubender mein Bild ist, um so größer ist der innere Widerstand dagegen, ich erfinde jede Menge guter

 

Gründe warum ich das Bild nicht malen soll, erst wenn ich nichts anderes

 

mehr hinkriege, weil sich mir eben dieses und genau dieses Bild immer

 

wieder aufdrängt, entschließe ich mich endlich zur Realisation.

 

(Natürlich habe ich auch Angst vor der Blamage. man muss sich nackig

 

machen, wenn man Kunst machen will, und glaub mir, in einigen meiner

 

"phantastischen" Arbeiten stehe ich nackter da als auf meinen

 

Selbstportraits...!) das kann sich dann wieder hinziehen. Ich mache mehrere

 

Anläufe, die ich dann Tage stehenlasse um sie schlussendlich doch wieder zu verwerfen.

 

Immer noch quälen mich Zweifel. Irgendwann gelingt es mir vielleicht

 

eine brauchbare Vorzeichnung in Eitempera auf meinen Malgrund zu bannen

 

(bis dahin habe ich schon etliche Meter Leinwand, Bretter, Pinsel und

 

Farben vermurkst…) aber wenn’ so weit ist, geht die Zitterpartie erst

 

richtig los: Mindestens jeden dritten Abend sitze ich vor meinem Bild

 

und weiß das es „Scheiße“ ist. Gut möglich, dass ich es irgendwo unterwegs

 

aufgebe (immerhin muss ich jetzt noch zwei pingelige Schichten Ölfarbe

 

übereinander auftragen, dabei fallen manche Fehler auf, andere

 

passieren, einige lassen sich korrigieren. andere nicht. Das sind die

 

Schlimmsten! sie sind wie ein dauernder Zahnschmerz. Vielleicht sitze

 

ich noch Wochen an einem Bild dessen Grundkomposition vermurkst ist.

 

Also besser aufgeben und neu starten, und dabei die schon investierte

 

Lebenszeit verloren geben? Oder doch weitermachen...?), vielleicht weil

 

ich eine bessere (?) Idee habe, vielleicht aber auch weil mich eine

 

Depression kreativ erstarren lässt. aber manchmal wird dann doch etwas

 

fertig, und einige wenige meiner Bilder gefallen mir im Nachhinein sogar

 

richtig gut...

 

 

 

F – Gibt es da für den Maler schlussendlich ein Bild das rundherum gelungen ist? Ohne Abstriche…ein Lieblingsbild sozusagen.

 

 

 

A - Die "Moritaten von Melchior Grün" halte ich für die bisher rundum

 

gelungenste Arbeit.

 

Ein Lieblingsbild?  Mein liebstes Bild ist immer das an dem ich gerade arbeite. Da kann ich immer hineinsehen wie es „idealerweise“ aussehen soll und werde nicht von Ben Fehlern gequält, (von denen ich im Nachhinein beim Betrachten eines fertigen Werkes!) die ich glaube gemacht zu haben.

 

 

 

ENDE