Vor einigen Tagen habe ich hier angekündigt, dass bei der Edition Bärenklau
das Lebenswerk des Autors Bernhard Bömke erscheint. Um den Lesern schon
einmal einen Vorgeschmack auf das zu geben, was sie erwartet, habe ich mit
seinem Sohn Martin Bömke <https://www.facebook.com/martin.bomke> ein
Interview geführt. Es gibt uns einen Einblick in eine Zeit, die jüngere
Lesergenerationen nicht mehr kennen - und deshalb ist es umso wichtiger,
dass uns Herr Bömke etwas darüber erzählt.

Zunächst einmal vielen Dank dafür, dass Sie sich Zeit für dieses Interview
nehmen. Wir sprechen heute über einen Autor, der leider nicht mehr lebt,
aber zu den ganz bekannten deutschen Westernautoren zählte. Die Rede ist
von Bernhard Bömke, der in der Ära der Leihbücher über 200 Western schrieb
– vor allem unter den Pseudonymen Larry Lash, King Keene und L.S.Ranger.
Aber er schrieb auch Romane in anderen Genres ( Piraten, Liebesromane )
Herr Bömke, erzählen Sie uns doch bitte zunächst etwas über den Menschen
Bernhard Bömke – Ihren Vater.

Vorweg möchte ich mich auch bedanken für Ihre herzlichen Worte und Ihr
Engagement. Mein Vater war ein Freigeist, der sich nicht einfach
beschreiben lässt. Er war ein ehrgeiziger Mensch mit klaren
Wertvorstellungen. Er konnte sehr gut auf die Menschen zugehen und sie für
seine Kunst / Gedanken faszinieren. Er ist ein sehr liebevoller Vater
gewesen und er fehlt der Familie.

Ihr Vater schrieb Romane zu einer Zeit, als es noch viele Leihbüchereien
gab und dazu Verlage, die nur für diesen Markt publiziert haben. Einer
dieser Verlage war der Mülbusch-Verlag in Castrop-Rauxel. Wie hat Ihr Vater
hier den Einstieg geschafft?

Ein Nachbar aus Gelsenkirchen-Buer hat meinen Vater im Atelier besucht, wo
er als Maler gearbeitet hat und sagte, wer so malen kann , der kann auch
schreiben. Daraufhin hat mein Vater seinen ersten Roman geschrieben (noch
per Hand). Der erste Western war fertig. Titel: Die schwarzen Reiter. Das
Buch wurde in Gelsenkirchen-Buer verlegt, bei einem Verlag der sich vor
kurzem selbstständig gemacht hat. Danach hat er 5 Frauenromane geschrieben,
die im Feldmann Verlag, Marl veröffentlicht wurden. Mein Vater hat sich
nicht im Bereich der Frauenromane einordnen können und hat danach mehrere
Piratenromane unter Rigos del Bernis geschrieben. Danach wollte er nur eine
Stilrichtung, die ihm besonders am Herzen lag: Western-Romane. Zuerst
wurden die Romane beim Goldring Verlag herausgegeben (Dan Yelling). Mein
Vater war mit Herrn Unger und seiner Familie befreundet und Herr Unger
erzählte meinem Vater, dass der Mülbüsch Verlag gute Schriftsteller sucht.
Mein Vater reichte darauf einen Westernroman ein, der Rest ist Geschichte.
Das Vetragsverhältnis wurde von meinem Vater 1967 aufgelöst.

Ihr Vater hat Romane in einer Zeit geschrieben, als der Western noch einen
sehr großen Marktanteil sowohl im TV als auch im Buchmarkt hatte. Wie haben
Sie diese Zeit erlebt, und was bedeutete der Western für Ihren Vater – und
natürlich auch für die Familie?

Mein Vater liebte den Western und war ein großer Fan von Westernfilmen und
Pferden. Für unsere Familie bedeutete der Western ein gutes Leben und
finanzieller Wohlstand.

Die Larry Lash-Romane waren anders als die herkömmlichen Western-Romane.
Sie vermitteln ein eher romantisches, aber dennoch spannendes Bild vom
Wilden Westen in dieser Zeit. Ich erinnere mich noch gut an solche
herausragenden Romane wie WIRBELNDE HUFE oder DAS ALTE FORT. Teilweise war
Ihr Vater mit den Thematiken seiner Zeit weit voraus. Wie hat er gearbeitet
bzw, wie war seine Vorgehensweise beim Schreiben und Konzipieren eines
Romans?

Da muss ich Ihnen leider eine Wissenslücke gestehen, ich habe die aktive
Zeit meines Vaters als Autor nicht miterlebt, das war vor meiner Zeit. Dazu
kann Ihnen meine Mutter detailliert mehr erzählen. ( Anmerkung Edition
Bärenklau: und das folgt in einem zweiten Interview ).
Mein Vater hat sehr viele Geschichtsbücher studiert und intensiv
nachgeforscht. Er ist fast jede Nacht aufgestanden und hat seine Gedanken
zu Papier gebracht. Mein Vater zog sich in sein Arbeitszimmer zurück für
etliche Stunden und arbeitete an seinen Romanen. Keiner durfte ihn stören.

Nach dem Ende der Leihbuch-Ära änderte auch der Mülbusch-Verlag seinen
Vertrieb. Aus diesem Verlag ging der Indra Verlag hervor und
veröffentlichte noch einmal alle Leihbücher in gekürzter Form als Heftroman
in solchen Reihen wie TOP-WESTERN, INDRA WESTERN, WEITER WESTEN und WESTERN
EXPRESS. Die Romane Ihres Vaters waren damals ein fester Bestandteil aller
Reihen. Ein Rückblick auf diese Zeit – wie stand Ihr Vater zu den
veränderten Rahmenbedingungen?

Mein Vater stand dem negativ gegenüber. Die Honorare wurden vom
Mülbüsch-Verlag nach unten gedrückt und dadurch war er mit der gesamten
Situation unzufrieden. Das hat mein Vater auch Herrn Mülbusch mitgeteilt.

Nachdem der Indra Verlag Mitte der 80er-Jahre seine Tätigkeit einstellte,
wurde es still um die Autoren, die diese Zeit geprägt haben. Es gab zwar
noch vereinzelte Romane Ihres Vaters bei anderen Heftromanverlagen, aber
nicht mehr in dieser Anzahl. Rückblickend gesehen die Frage: hat sich die
Ansicht der meisten Verlage so sehr verändert, dass man wichtige Klassiker
des deutschen Westerngenres all die Jahre einfach ignoriert hat?

Ja, ich vermute, dass der klassische Western für die Verlage nicht mehr so
umsatzstark war wie früher und der Fokus im Laufe der Zeit nach anderen
Genres ausgerichtet wurde. Aber wenn man Science Fiction (Star Wars) oder
auch Fantasy (Herr der Ringe etc...) sieht, ist es im Prinzip wie ein
klassischer Western, der Kampf Gut gegen Böse. Sowie die Klassik andere
Musikrichtungen geprägt hat, so hat der Western viele andere Genres
maßgeblich beeinflusst. Die Verlage sollten deshalb den Western nicht
ignorieren und mehr pflegen.

Ihr Vater hat oft klassische Westernthemen in seinen Romanen bevorzugt –
auf hohem Anspruch und mit einer klaren Moralvorstellung. Obwohl Ihr Vater
zum Höhepunkt seiner Laufbahn sehr viel geschrieben hat, waren es nie
Fließbandromane, sondern spannende Erzählungen. Wie sehen Sie das?

Da stimme ich Ihnen zu. Meinem Vater war es wichtig, etwas Qualitatives zu
schaffen. Herr Mühlbusch sagte damals zu meinem Vater. „Bernhard, deine
Westernromane sind fast eine Bibel“ Das betraf die Wertvorstellungen meines
Vaters.

Es wird behauptet, dass der Western heutzutage nicht mehr salonfähig ist
und dieses Genre allmählich ausstirbt. Neue und junge Autoren sind mit
diesem Genre nicht aufgewachsen und können teilweise die Faszination eines
Western nicht mehr nachvollziehen. Ihr Vater erlebte die Blütezeit des
Western in Deutschland. Wechen Stellenwert hat der Western heute für die
Familie Bömke?

Ich finde der Western war und bleibt immer salonfähig. Der Western hat in
meiner Familie einen hohen Stellenwert, weil der Western meinen Vater in
Form seiner Bücher weiterleben lässt und er nicht in Vergessenheit gerät.
Das ist uns sehr wichtig.

Ihr Vater war nicht nur ein sehr engagierter Autor, sondern auch ein Maler.
Das wissen nur wenige Leser. Deshalb erzählen Sie uns bitte etwas über
diese Zeit seines Schaffens.

Die Bilder meines Vaters waren nie nur einfache Ölbilder. In seinen
Gemälden wurden immer Botschaften verschlüsselt oder eindeutig dargestellt.
Umweltzerstörung und Naturschutz, die Ausbeutung der Umweltressourcen oder
religiöse Themen spiegeln sich auf unterschiedliche Weise wider. Die
Bildreihe das „Vater Unser“ wurde in der Nikolai-Kirche in Leipzig
ausgestellt, mein Vater war der erste Künstler nach der Wiedervereinigung,
der in Leipzig in der Nikolai-Kirche ausstellte. Wir hatten zahlreiche
Ausstellungen im Inland und Ausland.

Nach langer Zeit erscheinen nun endlich wieder Larry Lash-Romane in einer
sorgfältig vorbereiteten Edition. Und zwar die Original-Leihbuchversion –
ungekürzt. Was sollten neue Leser über den Autor Larry Lash und seine
Romane wissen, wenn sie diesen Namen jetzt zum erstenmal hören?

Dass es sich definitiv lohnt, die Romane von Larry Lash zu lesen. Jeder
Leser wird für sich etwas persönlich entdecken und die Faszination des
Western fühlen.

Wenn Sie noch einige Anmerkungen machen möchten, dann wäre jetzt und hier
Gelegenheit dazu. Ansonsten bedanken wir uns für dieses Interview.

Ich bedanke mich auch für das Interview und freue mich auf eine
erfolgreiche Zusammenarbeit.
Die Romane meines Vaters sind bei Ihnen und beim Bärenklau Verlag / Herrn
Munsonius in sehr guten Händen, danke!
Ich bin jederzeit bereit Ihnen und Ihren Lesern Fragen zu Larry Lash /
Bernhard Bömke zu beantworten.
An dieser Stelle möchte ich mich auch bei Dr. Jörg Weigand für die
langjährige Unterstützung und Beratung bedanken, sowie bei meiner
Lebensgefährtin Stefanie Grasse für Ihre administrative Arbeit für Larry
Lash.
Zum Schluss: Mein Vater hat ein letztes, bisher unveröffentlichtes Buch
geschrieben. Sein Wunsch war eine Veröffentlichung nach seinem Tode. Mein
Vater hat dieses Buch selber als Fantasy Roman bezeichnet. Eine ausgewählte
Leserschaft (engster Freundeskreis, 5 Personen) hat mit Begeisterung das
Manuskript gelesen.
Mit dem Buch „Der Traumfluss – Schlüsselkind“ hat mein Vater den Füller
niedergelegt und sich anschließend der Malerei gewidmet.

Anmerkung Edition Bärenklau: Die uns von Herrn Bömke zur Verfügung
gestellten Fotos sind eine kleine repräsentative Auswahl. Ein Foto zeigt
übrigens auch den bekannten Westernautor G.F.Unger. Was sicher so manchen
Leser interessieren dürfte.
Wir werden natürlich auch die Piratenromane und den bisher
unveröffentlichen Roman auch das Licht der Welt erblicken lassen. Larry
Lash hat es verdient, dass sein Name nicht in Vergessenheit gerät.

Jörg Munsonius & Alfred Wallon

Autorentreffen im Hause von Larry Lash: von links der Autor W. Matzinek, Mitte und rechts G.F.Unger nebst Gattin.   c, by Martin Bömke & Edition Bärenklau, 2016

DAS BERNHARD BOEMKE - FOTOALBUM

B.Boemke in den 30er Jahren

IN DER MARINE

DER AUTOR MIT EHEFRAU

Der Autor Bernhard Boemke: LARRY LASH

Der Autor - ca. 50 Jahre alt

Larry Lash vor dem Gartenteich in den 1970er Jahren

...in den 1970er Jahren

Aus den 80er Jahren...

Mit der Ehefrau aus den frühen 90er Jahren

ca. 1998

31.Juli 2001 mit Sohn Reinhard

Ein guter Freund der Familie: Rolf G. Lange