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Die Literaturagentur

 

Alfred Wallon, zuerst einmal vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview die Zeit nehmen. Und da komme ich auch gleich zur Sache.

 

 

 

Sie sind Jahrgang 1957 und in der Autorenwelt, ganz besonders in der Welt der Westernautoren, kein unbeschriebenes Blatt. Ihren ersten Western veröffentlichten Sie bereits 1981 unter dem Titel Die Dollarwölfe von Abilene. Wissen Sie noch wie es dazu kam, mit dem Schreiben anzufangen und warum es gerade ein Western wurde?

 

 

 

Ich bin mit Western aufgewachsen, zu einer Zeit, als es nur drei Fernsehprogramme gab. Mein Vater hat immer gerne Western gelesen, und bei uns zu Hause lagen jede Menge Hefte herum. Logisch, dass ich neugierig geworden bin und es einmal versucht habe. Meine ersten Western schrieb ich im Alter von 14 Jahren – nur für mich persönlich – und zwar auf einer uralten Olivetti-Reiseschreibmaschine, die schon einige Tücken hatte. Aus dieser Zeit gab es um die dreißig Romane mit jeweils dreißig Seiten, mit von mir gezeichneten Titelbildern und solchen Seriennamen wie RINGO DER GEÄCHTETE oder OUTLAW WESTERN. Die Hefte habe ich immer noch, und die Texte sind bis heute noch nicht veröffentlicht worden. Und vermutlich werden sie es wohl auch nicht. Denn als 14-jähriger schreibt man nicht unbedingt wie ein Profi …

 

 

 

 

 

Diesem, Ihrem ersten Western, sollten im Laufe der Jahre noch viele weitere folgen, oft auch mit historischem Hintergrund, oder irre ich mich da? Wann entstand diese, ich möchte es mal Liebe nennen, zum Western-Genre? Und woher bezogen Sie Ihr doch mittlerweile recht beachtliches Wissen, Ihre Informationen in einer Zeit, da es noch kein Internet gab? Wie muss ich mir die Recherche zu einem Western, wie Sie ihn schrieben, vorstellen?

 

 

 

Ich vermute, das Fernsehen hat dafür die Weichen gestellt. Ich habe solche Westernserien wie BONANZA, HIGH CHAPARRAL und SHILOH RANCH bei der Erstausstrahlung im Fernsehen mitbekommen. Insbesondere HIGH CHAPARRAL hatte es mir angetan. Das war eine Ranch-Western-Serie, die in der Nähe von Tucson/Arizona spielte – und ich fasste den Entschluss, auch so etwas zu konzipieren. Nur sollte das in Texas spielen und alles mit historischem Hintergrund. So war z.B. der Roman „Die Dollarwölfe von Abilene“ der erste Western mit der Familie Calhoun – und wenn man so will, besteht dieses Konzept seit dieser Zeit. Später gab es solche Romane in der von mir selbstverlegten Serie RIO CONCHO, und mittlerweile gibt es die Romane auch wieder als eBook – diesmal unter dem Serientitel SAN ANGELO COUNTRY.

 

Ansonsten habe ich ein Sachbucharchiv. Bestimmte Bücher musste man damals aus den USA bestellen – mit einer Lieferzeit von bis zu einem halben Jahr. Heute ist alles nur noch einen Klick entfernt. Aber damals musste man viel Geduld haben.

 

Ich habe viele Sachbücher gelesen und tue es immer noch. Man lernt ja immer Neues dazu. Irgendwann musste ich dann nur noch meine fiktiven Charaktere vor einem historischen Hintergrund agieren lassen. Aber das macht auch heute noch Spaß.

 

 

 

 

 

Damals, in den 1980er Jahren, als die Western ihre Blütezeit hatten, als wöchentlich neue Heftromane in den verschiedenen Serien, an den Kiosken erschienen und reißenden Absatz fanden, haben auch Sie sich mit einigen Beiträgen daran beteiligt.

 

Wie kamen Sie dazu, Heftromanautor zu werden, denn die Schreibweise für einen Heftroman, der in etwa eine Seitenzahl um die sechzig hatte, unterscheidet sich ja grundlegend von der eines Taschenbuchautors, der für seine Geschichte wesentlich mehr Platz hatte und hat.

 

 

 

Wer Schreiben lernen will, kann das sehr gut, indem er seine ersten Erfahrungen im Heftromanbereich sammelt. Damals gab es noch mehrere Heftromanverlage, und als ich 1981 einstieg, hatte man noch zahlreiche Möglichkeiten, als Autor unter Vertrag genommen zu werden. Außerdem lernt man bei einem Heftroman, eine eiserne Disziplin einzuhalten. Auf Seite 64 endet die Handlung, und das ist gar nicht so einfach. Hier lernt man, Spannungsbögen zu beachten.

 

 

 

 

 

Viele Autoren, die ich bis jetzt gesprochen habe, die sich damals ebenfalls dem Schreiben von Heftromanen gewidmet haben, taten dies oft unter großem Druck, da sie davon leben mussten oder die Schreiberei zur Aufbesserung ihres normalen Einkommens brauchten. Waren auch Sie diesem Druck ausgesetzt oder haben Sie eher aus Spaß an der Freude geschrieben?

 

 

 

Ich habe mich niemals unter Druck setzen lassen. Alle Romane, die ich seit 1981 geschrieben habe, entstanden ausschließlich in meiner Freizeit. Ich musste nicht davon leben. Und das hatte ich auch niemals vor. Ich habe immer meinen eigentlichen Beruf gehabt, und der sicherte meine Existenz. Geschrieben habe ich dann das, was ich wollte und schaffte es fast immer, die Verlage mit meinen Exposés zu begeistern.

 

 

 

 

 

Mit der Zeit kamen zum Western-Genre andere Genres für die Sie schrieben hinzu. Sie wurden ein Autor bei Kommissar X, schrieben Heimat- und Liebesromane und widmeten sich in den 1990er Jahren auch dem phantastischen Genre, wo Sie zusammen mit Marten Munsonius die Endzeitserie Corrigan schrieben.

 

Was veranlasste Sie zu diesem Wechsel, zu dieser Erweiterung der Genres? Hat Ihnen der Western nicht mehr gereicht?

 

 

 

In der Heftromanbranche musste man flexibel sein – sonst war man schneller weg vom Fenster als man glaubt. Als mir ein Verlag mitteilte, man könne im Moment keine neuen Western annehmen – aber im Bereich Liebes- und Heimatromane gäbe es Möglichkeiten, habe ich sofort zugesagt. Das galt auch bei KOMMISSAR X. In der Regel reichte es auch, einige Romane von anderen Autoren zu lesen, und schon wusste ich, was ich tun muss. Außerdem hat es mich immer wieder gereizt, auch in anderen Genres „Spuren“ zu hinterlassen. Wichtig ist, dass man den Verlagen zeigen konnte, dass man gewillt war, sich überall einsetzen zu lassen. Und so habe ich jedes Heftromangenre bedient – nur den Bereich der Arztromane habe ich vernachlässigt.

 

 

 

 

 

Im Herbst 2006 kehrten Sie dem Bereich der Heftromane weitestgehend den Rücken und richteten von nun an Ihre Aufmerksamkeit auf den Buchsektor. Was veranlasste Sie zu diesem Schritt, und ist Ihnen die Umstellung im Aufbau Ihrer Geschichten schwer gefallen oder kam es Ihnen zugute, dass Sie von nun an tiefgründiger schreiben konnten?

 

 

 

Meine letzten Heftromane erschienen in der Serie WESTERN LEGENDEN von Bastei. Von hundert Romanen stammen neunzehn von mir. Darauf bin ich noch heute stolz, denn der damals zuständige Lektor Holger Kappel ließ mir freie Hand bei meinen Themen. So schrieb ich z.B. einige Romane über den legendären Daniel Boone. Als die Serie dann mit Band 100 endete, gab es keine Chance mehr für neue historisch geprägte Western. Ich habe mich dann noch an einem Sex-Western aus der Reihe JACK SLADE versucht, aber das war so eine Qual für mich, dass ich keinen weiteren Band mehr geschrieben habe. Ich tendiere zum klassischen historischen Western. Die sogenannten Adult (Erwachsenen)-Western sind nicht mein Ding. Ich würde niemals mehr einen solchen Roman schreiben wollen, selbst wenn man mir 3.000 € Honorar dafür bieten würde. Wenn ich nicht von etwas überzeugt bin, dann macht es keinen Spaß – und diesen Grundsatz habe ich bis heute weitestgehend eingehalten.

 

Mit den Büchern und Taschenbüchern, die dann ab 2008 folgten, hatte ich die Chancen, auch weiterhin meine eigenen Ideen umzusetzen, und zwar in der epischen Bandbreite, wie es die Storyline zulässt. Jeder Verlag ließ mir dabei jede nur erdenkliche Freiheit. Das hat mich motiviert, mein Bestes zu geben.

 

 

 

 

 

Seit einiger Zeit widmen Sie sich wieder mehr der Schreiberei. Was darf der Leser von Ihnen in der Zukunft an Neuem erwarten? Welche Pläne haben Sie als Autor für die Zukunft?

 

 

 

So weit in die Zukunft will ich nicht schauen – man weiß nie, was das Leben manchmal an unerwarteten Überraschungen bereithält. Zumindest kann ich sagen, dass das Jahr 2020 bereits mit Projekten verplant ist. Und wenn ich die Mail richtig gelesen habe, die mir ein Verlag eben zusendete, dann könnte auch das Jahr 2021 schon mit Aufträgen gefüllt sein.

 

In den letzten vier Jahren hat es eBook-Veröffentlichungen fast aller meine Romane in der Edition Bärenklau gegeben. Das war und ist immer noch eine sehr spannende Sache. Parallel dazu hat der APEX-Verlag mit einer Neuauflage der Hardcover und Taschenbücher begonnen, die ich seit 2008 veröffentlicht habe. Mehr als zehn Jahre sind seitdem vergangen, und es wird Zeit, dass eine neue Lesergeneration diese Romane wieder in gedruckter Form kaufen kann.

 

Ich habe eine historische Western-Serie mit dem Titel DIE FORTS AM BOZEMAN-Trail gestartet. Die ersten beiden Taschenbücher erscheinen diesen November. Weitere Bände sind für den Sommer 2020 geplant. Das macht einerseits sehr viel Spaß, dürfte aber vermutlich von der Recherche her mit das Aufwändigste sein, womit ich mich in den letzten Jahren beschäftigt habe.

 

 

 

 

 

Herr Wallon, gibt es, wenn Sie schreiben, für Sie einen festen Zeitplan, an den Sie sich halten oder eine Tageszeit, zu der Sie besonders kreativ sind?

 

 

 

Wie ich schon sagte, das Schreiben findet ausschließlich nach Feierabend und am Wochenende statt. Da ich mich nicht als Künstler, sondern eher als Handwerker sehe, ist es für mich kein Problem, immer dort weiterzumachen, wo ich gestern Abend aufgehört habe. So was kann man trainieren, und es funktioniert dann auch.

 

 

 

 

 

Gibt es ein Thema, über das Sie schon immer mal etwas schreiben wollten, aber noch nicht dazu gekommen sind?

 

 

 

Ja, da gibt es ein Thema – das arbeite ich gerade für einen Verlag aus. Aber darüber möchte ich erst sprechen, wenn der Roman fertig ist. Das Cover habe ich schon vorliegen, und ich finde es äußerst gelungen. Nur so viel vorab: Es ist etwas Historisches, über das ich bisher noch nicht geschrieben habe.

 

 

 

 

 

Wenn es noch etwas gibt, was Sie den Lesern mitteilen wollen und hier noch nicht zur Sprache kam, dann wäre jetzt der passende Moment.

 

 

 

Ich habe in meiner bisherigen Laufbahn immer daran geglaubt, dass es möglich ist, eigene Ideen zu verwirklichen. Man muss nur den Verlag finden, der davon genauso überzeugt ist wie der Autor. Ich habe niemals mit einer Agentur zusammengearbeitet. Viel lieber arbeite ich mit kleineren Verlagen zusammen, die meine Ideen nach meinen Wünschen umsetzen. Es muss Spaß machen, und man sollte stolz auf das sein, was man tut. Und was speziell das Westerngenre angeht, so hat der 2004 verstorbene amerikanische Schriftsteller William W. Johnstone einmal gesagt: „The West lives on. And as long as I live, it always will …“ Mehr muss man dazu nicht mehr sagen.

 

 

 

 

 

Ich bedanke mich noch einmal für Ihre Zeit und wünsche Ihnen für Ihre weitere Zukunft als Autor viel Erfolg und eine zahlreiche zufriedene Leserschaft.